Eva Erika LABUTYTË

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Geb. am 15. April 1938 im Dorf Begëdþiø, Gebiet Ðilutë, Land Klaipëda. Lernte in Plikiai und Klaipëda und arbeitete in Saugai in einem Kinderheim. 1967 Abschluss des Staatlichen Kunstinstitut Vilnius (heute Kunstakademie) in der Fachrichtung Grafik (Betreuer der Diplomarbeit Prof. Antanas Kuèas).
Seit 1968 Teilnahme an Kunstausstellungen in Litauen und im Ausland. Veranstaltete ca. 10 Personalausstellungen: in Litauen (Vilnius, Klaipëda, Ðilutë), in Deutschland (Mannheim, Oberursel, Lübeck-Travemünde, Buxtehude), in Polen (Olsztyn). Schafft Estampen, Exlibris, gestaltet Bücher, malt Aquarelle.

Das Leitthema der Werke - Kleinlitauen, das Heimatland am Meer, die alten Preußen... Die Künstlerin bleibt der Vergangenheit und der Gegenwart ihrer Ahnen treu. Neugründerin und Pflegerin der Gesellschaft der Lietuvininkai. Lebt und schafft in Vilnius.

Kontaktadresse:
Architektø-Str. 200-15
LT-2049 Vilnius
Tel.: (370 2) 448206

 

 

DIE WICHTIGSTEN WERKE ZUM THEMA KLEINLITAUEN

ESTAMPEN

  1. Zyklus “Personen aus Kleinlitauen” (Martynas Maþvydas, Ludwik Rhesa, Jonas Bretkûnas, Daniel Klein, Vydûnas, Ieva Simonaitytë, Martynas Jankus) 1971 – 1979. Autozinkografie, 35 x 29.5
  2. A. Kulvietis und S. Rapolionis, 1979. Autozinkographie, 51 x 36
  3. Die Städte des Landes Klaipëda (Klaipëda, Nida, Rusnë) 1971 – 1979. Linolschnitt, 44 x 32
  4. Mein Land (zum Andenken an Ieva Simonaitytë), I – III 1981. Farblinolschnitt
  5. Motive Kleinlitauens I – VI, 1982 – 1983. Mischtechnik, 50 x 35
  6. Rhythmen des Meeres I – VI, 1984. Monotypie, 19 x 15
  7. Komposition "Krikðtai" (hölzerne Grabmäler in Kleinlitauen) I – XI, 1987. Kohle, 32 x 24
  8. Aufbau (nach Vydûnas) I – VII, 1988. Stich, Aquatinta 21 x 16
  9. Die Zeichen der Balten (Krikðtai) I – IV, 1995. Stich, Aquatinta 32 x 25
  10. Ðilutë I – VIII, 1989. Stich, Aquatinta 20 x 15
  11. Die evangelisch–lutherischen Kirchen des Landes Klaipëda I – XII, 1995 – 1997. Stich, Aquatinta 24 x 16

GESTALTETE UND ILLUSTRIERTE BÜCHER

  1. Birutë Baltruðaitytë. Poesiesammlung “Die Brunnen” (Vaga, 1986), “Auf dem Lande der Lietuvininkai und der Preußen” (Vaga,1991), Buch über Umschauen “Die Frauen aus Kleinlitauen”(... 1997).
  2. Domas Kaunas. “Die Bibliotheken in Kleinlitauen”(1987) u.a.
  3. Vacys Bagdonavièius. “Die philosophischen Grundlagen des Humanismus von Vydûnas”

EXLIBRIS

für K. Donelaitis, I. Simonaitytë, Vydûnas, “480 Jahre Ðilutë”, “450 Jahre Priekulë”, "450 Jahre litauisches Buch”, “450 Jahre "Katechismus"” u.a.

DIE WICHTIGSTEN WERKE ZUM THEMA "PREUßEN"

ESTAMPEN

  1. Abelis Vilis  – Schöpfer des preußischen Schrifttums 1978. Autozinkographie, 45 x 35
  2. Vilnius –  Baltistikzentrum 1979. Mischtechnik, 45 x 60
  3. Allerseelen auf dem Lande der Preußen I – VI, 1982. Mischtechnik,19 x 25
  4. Preußische Wörter I – VI, 1982. Mischtechnik, 17 x 12,5
  5. Zum Gedenken an die Preußen I – IX, 1988. Mischtechnik, 50 x 36
  6. Requiem I – III, 1989. Kohle, 50 x 36
  7. Gedächtnis I – XII, 1992. Mischtechnik, 30 x 21

 

Aus dem Ausstellungskatalog GRAFIK–AQUARELL, Klaipëda 1988

“Ich möchte wie Simonaitytë vorbringen – ich bin aus diesem Lande”, hat die Künstlerin E. Labutytë (1938) bei der Darstellung ihres Schaffenscredo gesagt. Kleinlitauen ist ein Land mit einem tragischen Schicksal und schmerzhaften Brüchen, das viele Jahrhunderte die Kolonisation der Ausländer und den heroischen Kampf für seine Existenz erfahren hat und in den Nachkriegsjahren die Massenemigration der Litauer. Das Land ist mit vielschichtiger litauischer Kultur und mit biblischen Motiven des verlorenen Zuhause gekennzeichnet. Das alles erweckt die Überlegungen der Künstlerin, worin sich das Thema der verlassenen Heimat, Sehnsucht nach ihren ethnischen Relikten verflechten sowie der Wunsch, die Stütze zu finden im puritanisch stoischen Geiste dieses Landes.

Der Künstlerin sind die Erlebnisse der Zeit und der Vergangenheit teuer, sie entscheiden den Inhalt und Form ihrer Werke. Neben den Bildern der Natur an der Meeresküste (stimmungsvolle Aquarell-Monotypien der Ostsee) strebt sie danach, das geistige Bild dieses Landes zu synthesieren. Deshalb spricht die Künstlerin in ihren Estampen in der Symbolsprache (“Motive Kleinlitauens”, “Krikðtai”), sie sucht nach den verallgemeinerten künstlerischen Sinnbildern ( “Martynas Maþvydas”, “Abelis Vilis”, ”Vydûnas”, “I. Simonaitytë”, “Die Städte des Landes Klaipëda”). In ihrer Poetik verflechten sich oft Harm und Sentiment, und visuelle Formen treten in Erscheinung beim Kontakt von Wirklichkeit und Illusion, vom Hellen und Dunklem. Die Künstlerin ist besonders dafür empfindsam, was es schon nicht mehr gibt, sie rekonstruiert diese Erscheinungen mit Hilfe der Bilder des inneren Sehens (“Zum Gedenken an Preußen”).

So werden die Kunstannalen des Landes geschaffen, und das kulturelle Volksgedächtnis, das danach strebt, die Traditionen der Jahrhunderte fortzusetzen, wird belebt.

Irena KOSTKEVIÈIÛTË

Aus dem Ausstellungskatalog GRAFIK – AQUARELL
OBERURSEL / TAUNUS (Deutschland), 1990

DAS GEDÄCHTNIS IST WIE DAS GLOCKENGELÄUT,
WIE DAS KREUZ, WIE DAS AUFBLITZENDE AXTBLATT...

Viele Jahre schuf die Künstlerin Eva Labutytë grafische Visionen über die tragische Vergangenheit Kleinlitauens und der Preußen. Das Schicksal des ausgerotteten Volkes ist nicht nur wegen der historischen Wahrheit, sondern auch im allgemein menschlichen Sinne wichtig.

In ihren Grafiken steht die Künstlerin gleichsam an der Grenze zwischen visuell – gegenständlicher Realität (Scherben eines Tonkruges, Fetzen einer Landkarte, Zeichen einer alten Schrift) und dem unbestimmbaren Spiel ihrer Phantasie. Die Wiederbelebung der Vergangenheit ist das Leitthema ihres Schaffens. Die Grafikerin strebt nach der Rückgabe der historischgeistigen Schicht an die lebende Generation. Deshalb ist in ihren Arbeiten eine subtile Restauration der Vergangenheit zu verfolgen, die nichts in der ursprünglichen Form wiederholt, sondern nur interpretiert und eine andere Welt, die der Kunst, entstehen lässt. Dabei bedient sie sich äußerst sparsamer Mittel: kaum spürbarer Umrisse, verschiedener Farbtöne und deren Verschiebung. Die wiederkehrenden Motive, Symbole, plötzlich brechende Linien, der Einklang von Hell und Dunkel bilden den Rhythmus der Grafiken (auch der Exlibris und Aquarelle) von E. Labutytë. Durch diesen Rhythmus wird das Ganze gestaltet, das als nuancierte Musik des Hell – Dunklen aufgefasst werden dürfte. Die wiedergegebene Tragik der Preußen klingt schmerzhaft, aber in gedämpften Tönen – was sich wohl auf den Einfluss des protestantischen Geistes zurückführen läßt. Das ist eine Kunst, in die man sich vertiefen, auf die man lauschen muss.

Birutë BALTRUÐAITYTË


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