Vytautas LANDSBERGIS

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Das erste Buch ist der Anfang des litauischen Schrifttums, der sich selbst viele Anfänge gebracht hat. Es hat das Tor der Erfindungen und Entstehungen geöffnet. Das mit dem litauischen Wort sprechende Buch hat auf vollkommenste Weise das Land und das Volk zu vereinigen vermocht sowie in seiner Sprache zur Welt zu sprechen erlaubt. Das die Grenzen der Staaten nicht beachtende Buch hat zwei Litauen vereinigt: Groß- und Kleinlitauen, sowie ihre Hauptstädte Vilnius und Königsberg. So entstand die erste langjährige Achse der litauischen Kultur. Und es entstand noch mehr: das erste universale Lehrbuch des christlichen Lebens, der "Katechismus", der mit Geboten ergänzt wurde, und demokratisch für alle bestimmend war ohne Rücksicht auf die Standesunterschiede. Es entstand die erste Fibel, eine unversiegbare Quelle des Lebens der litauischen Schrift, das erste Gesangbuch mit Noten sowie ein Lehrbuch zur Vervollkommnung der Seele. 

Ein beliebiges Buch, und erst recht das erste, ist eine Neuerung und zugleich Ansammlung und Widespiegelung verschiedener schon vor ihm gewesenen Dinge. In Büchern werden die Kenntnisse und Weisheit der ganzen Menschheit angesammelt und übergeben. Das Buch wird zur Fortsetzung des Schrifttums und des Geistes des Volkes, und in ihm ist wieder Anlass zur Offenbahrung neuen Schaffens.

Der 450. Jahrestag des ersten litauischen Buches gab die Gelegenheit, sich an den bedeutungsvollen Ausgaben, an den schönen Veranstaltungen zu erfreuen. Er war auch eine Veranlassung, sich zu konzentrieren und darüber nachzudenken, was das Buch für das Volk bedeutet, für den Staat, für die Gemeinschaft der Völker, zu der wir gehört haben? Wer war jener Martynas Maþvydas, der mit voller Stimme Lietuvininkai (Kleinlitauer) und Schamaiten (Niederlitauer) angesprach, und inwiefern sind seine Worte heute wichtig? Und schließlich muss man sich an die anderen erinnern, die vor ihm und nach ihm unser Schrifttum geschaffen haben, weil das zum gedruckten Buchstaben gewordene Wort Sinn und Denkmal auch ihres Lebens ist. Das alles muss man noch einmal einschätzen und tiefer kennen, damit wir die Menschen verschiedener Völker, nicht nur unseres Landes, bereichern. Also werden wir noch öfter zurückkehren, zum für uns so besonderen Buch. Vielleicht finden wir die Antwort auf manche Fragen, die sich erhoben oder noch sich erheben werden, in der mehr als tausend Einträge umfassenden Bibliographie zum 450. Jahrestages des ersten litauischen Buches. Sie ist vielstimmig und inhaltsreich. Sie ist auch deshalb wichtig, weil sie von für all jene Zeugnis ablegt, die den Wert von Martynas Maþvydas aufgespürt haben und ihm ein Podium gaben und Ehrfurcht entgegen brachten. Dafür danken wir uns herzlich diesen Menschen.   

Vytautas Landsbergis
 
Vorsitzender des Seimas der Republik Litauen,
Vorsitzender des Staatlichen Festausschusses
zur 450-Jahr-Feier des ersten litauischen Buches
 

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