M. Maþvydo pirmosios lietuviðkos knygos 450 metø jubiliejaus emblema

 

Zigmas ZINKEVIÈIUS

Wer hat vor Maþvydas litauisch geschrieben?

 

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Die ältesten erhalten gebliebenen litauischen Texte wurden in Bücher geschrieben, die dem Franziskaner-Kloster in Vilnius gehörten; folglich wurden sie auch von Mönchen gemacht. Doch in einer Sammlung von Predigten aus dem Jahr 1530 wurde eine Aufzeichnung von einem Priester (nicht Mönch) gemacht, der auf Litauisch predigte. Es gab auch weltliche, handschriftliche Texte. Davon zeugt die Tatsache, dass ein paar davon sogar in die in anderen Sprachen gedruckten Bücher eingetragen wurden. In der Ausgabe "Kronika, tho iesth Historya swiata..." (1564) von Martin Bielski ist ein litauischer Satz eingelegt. Der zweite größere und genauer geschriebene Text weltlichen Inhalts ist der sogenannte litauische Hexameter von 1589. Er wurde im lateinischen Buch  "Gratulationes Serenissimo Ac Potentissimo Principi Sigismundo III" gedruckt. Dieses Buch wurde in Vilnius von Jesuiten herausgegeben. Darin sind neben den Begrüßungen für König Siegmunt 3. in anderen Sprachen auch ein litauischer, 9-Zeilen-Text in Hexametern gedichtet, eingearbeitet. Das ist eines der ersten Beispiele des Reimens dieser Art im Rahmen der europäischen Literatur in litauischer Sprache. Der Autor ist unbekannt. Da das Buch von Jesuiten herausgegeben wurde, war wohl der Autor ein Jesuit, vielleicht ein Student oder Professor der neugegründeten Akademie.

Die dialektologische Analyse der alten handschriftlichen Texte führt uns in das Land um Vilnius. Die Verfasser des ältesten Gebetstexte dürfte aus der Gegend südöstlich von Vilnius stammen. Die litauischen Inschriften im Buch von 1501 wurden von jemandem gemacht, dessen Mundart zur Gegend von Trakai gehört. Zwei Worte im Buch von 1530 sind ein zu geringer Text, um die Mundart lokalisieren zu können. Der Satz aus der "Chronik" von Martin Bielski ist ungenau und entstellt. Er ist auch schwer zu lokalisieren. Der Autor des Hexameters von 1589 ist zweifellos aus Vilnius, nordwestlich der Stadt.

Die Rechtschreibung der Texte ähnelt der lateinischen (nicht polnischen); spezifisch lateinische Buchstaben und Abkürzungen werden gebraucht. Deutlich sind die Bemühungen zu erkennen, kurze und lange Vokale zu unterscheiden. Z.B. schreibt man neapiikanta "neapykanta", broliistë "brolystë" u.ä. Im ältesten Gebetstext gibt es keine Bezeichnung der Palatalisation mit Hilfe des Buchstabens "i", das ist polnische Manier, die sich später in der litauischen Rechtschreibung eingebürgert hat. Also gab es jener Zeit keinen Einfluss der polnischen Sprache. Wenn es keine Polonisierung der litauischen Gebildeten gegeben hätte, so wäre die Entwicklung der litauischen Rechtschreibung ganz anders verlaufen, nämlich als eine Fortsetzung derjenigen, wie sie in den handschriftlichen Texten praktiziert wurde.

Martynas Maþvydas soll auch mit den litauischen Handschriften vertraut gewesen sein. Doch er war stark von der polnischen Kultur und Sprache beeinflusst. Er nennt sich sogar Mosvid; und nur im Akrostichon der Taufformel hat er sich in Litauisch Maszwjdas geschrieben. In seiner Sprache gibt es viele Polonismen, die sich später in Litauen nicht eingebürgert haben. Im Text sind einfach einige polnische Wörter eingefügt. Er hat aus dem Polnischen wörtlich übersetzt. Es ist dort mehr Litauisch, wo er nicht zu übersetzen brauchte, z.B. in der originalen Vorrede in Versen. Doch in seinen Schriften gibt es einige Beispiele für die Doppelung der Vokale für die Bezeichnung der Länge; er schrieb praschiikiet "praðykite", Suunaus "sûnaus".

Bearbeitet nach:
Zigmas  ZINKEVIÈIUS
V. Wer hat vor Maþvydas litauisch geschrieben?
DIENOVIDIS, 17.01.1997, Nr. 3


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