M. Maþvydo pirmosios lietuviðkos knygos 450 metø jubiliejaus emblema

 

Zigmas ZINKEVIÈIUS

VI. Wann wurde begonnen litauisch zu schreiben?

 

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Das ist eine schwierige Frage. In den ungarischen Annalen (Cronicon Dubnicense), wo die Ereignisse des Jahres 1351 beschrieben sind, werden die Eidesworte des litauischen Fürsten Kæstutis auf Litauisch zitiert. Doch diese Inschrift ist kaum als das älteste litauische Schriftdenkmal zu betrachten. Laut den Annalen sollten die Litauer mit folgenden Worten schwören: "rogachina roznenachy gospanany", was in der heutigen litauischen Sprache "Dieve, paþvelk á mus, mûsø ðirdis ir raguotá" ("Gott, blicke auf uns, unsere Herzen und das Vieh") bedeutet. Die Inschrift in den Annalen hat nichts gemeinsames mit der litauischen Sprache. Seit dem Eid von Kæstutis bis zum Erscheinen des ersten litauischen Buches waren 200 Jahre vergangen (und bis zu den ersten Handschriften 150). Im Laufe einer verhältnismäßig kurzen Zeit sollte sich die litauische Sprache nur wenig verändern (damals gab es keine Zweisprachigkeit). Wir können heute das erste litauische Buch und die ersten Handschriften leicht lesen und alles (die Fachleute) oder fast alles (nicht Fachleute) verstehen, obwohl seit seinem Erscheinen 450 Jahre vergangen sind (und seit den ersten Handschriften sogar die Hälfte des Jahrtausendes. Dazu gab es im Laufe dieser Zeit große Veränderungen, verschiedene Mischung der Sprachen, was die Entwicklung der Sprache beschleunigt. Das alles gab es im Laufe jener 200 (150) Jahre nicht. Den 1351 geschriebenen Text sollte ein Litauer heute leicht verstehen können.  

Die Schrift kam zu den Völkern Mittel- und Osteuropas zusammen mit dem Christentum. Die Litauer waren keine Ausnahme. Während der ersten Taufe (der litauische König Mindaugas wurde 1251 getauft) sollten die wichtigsten Gebete in die litauische Sprache übersetzt worden sein. Das haben wahrscheinlich die Franziskaner-Mönche gemacht, die 1245 nach Litauen kamen. Sie haben den Litauern die Wahrheiten des christlichen Lebens gelehrt. Zu beten wurden den Litauern gewiss nicht auf Lateinisch oder Deutsch gelehrt, da sie diese Sprachen nicht kannten, sonder in der Muttersprache des zu taufenden Volkes. Es ist schwer vorzustellen, dass die Franziskaner ohne handschriftliche Aufzeichnungen hätten auskommen können. In der kirchlichen Praxis ist es unmöglich, ohne die wichtigsten Texte in der Sprache der einheimischen Bewohner auszukommen. Es konnte nicht sein, dass die Texte nur im Gedächtnis der Geistlichen aufbewahrt wurden, ohne jegliche Aufzeichnung. Es musste handschriftliche Aufzeichnungen der Gebete und Gesänge geben. Doch die Handschriften aus den Zeiten des Königs Mindaugas und spätere sind bis zur Erfindung des Buchdrucks nicht erhalten geblieben, weil es keine lateinischen Bücher gab, in welche man die Texte hineinschreiben konnte. Der Buchdruck ist erst zwei Jahrhunderte später erfunden worden. 

Die Analyse der Gebete in der litauischen Sprache lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Gebete nicht aus der polnischen, sondern aus der deutschen Sprache übersetzt wurden. Davon zeugt die Anwesenheit des Wortes Gott im litauischen Text, ebenso wie im Lettischen und Preußischen (auch von Deutschen getauft) an den Stellen, wo dieses Wort im polnischen Text nicht erscheint. (Bekreuzigung, Glaubensbekenntnis u.a.)

Das Christentum konnten nur die Priester verbreiten, die die litauische Sprache kannten. Ohne die Benutzung der Schrift wäre dies unmöglich zu leisten gewesen. Am Anfang (nach der Taufe) gab es wohl nur kleine handschriftliche litauische Texte, später sollten auch größere entstehen. Vom Gebrauch der litauischen Schriftsprache bis Ankunft der Jesuiten sind leider nur Spuren geblieben: die Inschriften in den aus dem Ausland mitgebrachten lateinischen Büchern, die bis jetzt nicht vollständig erfasst sind. Diese Aufzeichnungen sind für die Geschichte unseres Schrifttums sehr wichtig. Es sind doch Fortsetzungen der Tradition der litauischen Schrift seit den Zeiten des Königs Mindaugas. Später wurde die Kirche in Litauen polonisiert, und die Texte begann man den polnischen Entsprechungen anzupassen. In den ersten gedruckten Büchern sind die Texte zu "polnisch". 

Aus allem, was gesagt ist, wird deutlich, dass man die Geschichte der litauischen Schriftsprache nicht erst mit dem Erscheinen des ersten litauischen Buches beginnt, sondern viel früher. Den Beginn unseres Schrifttums muss man wenigstens um ein halbes Jahrhunderts vorverlegen, wovon die litauischen Inschriften in lateinischen Büchern zeugen. Und in der Tat wurde viel früher litauisch geschrieben, vielleicht sogar mehr als zwei Jahrhunderte früher, wohl seit den Zeiten von König Mindaugas. Nur sind Texte aus diesen Zeiten nicht erhalten geblieben.

Zigmas  ZINKEVIÈIUS

Bearbeitet nach: "Wann wurde begonnen litauisch zu schreiben", DIENOVIDIS, 24.01.1997, Nr. 4


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