Domas KAUNAS

DAS BUCH IN KLEINLITAUEN

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Domas Kaunas. Das Buch in Kleinlitauen

Das Buch in Kleinlitauen.
Entwicklung der litauischen Buchproduktion
1547-1940

In litauischer Sprache.
Zusammenfassung auf Deutsch

Verlag baltos lankos,1997

KLEINLITAUEN bildet die ethnischen Gebiete der Westbalten (Pruzzen und Litauer), die bereits in der ersten Hälfte des 16. Jhs. von den deutschen Chronisten Simon Grunau und Lukas David mit diesem Namen (Klein Litaw) bezeichnet worden sind, um sie vom Großfürstentum Litauen zu unterscheiden. In der späteren deutschen Geschichtsschreibung wird meistens der Name "Preußisch-Litauen" dafür verwendet. Diese Gebiete sind vom Deutschen Orden erobert worden und haben den nördlichen Teil des preußischen (seit 1871 des deutschen) Staates gebildet. Heute befinden sich auf diesem Territorium das zu Russland gehörende Kaliningrader Gebiet und die westliche Region der Republik Litauen (1919-1939 als Memelland bekannt). Die einheimische Bevölkerung ist durch die protestantische Kirche und die deutsche Kultur stark beeinflusst worden und hat sich somit unter anderen Bedingungen als der größte Teil des litauischen Volkes entwickelt. Eine lange Zeit sind diese Bedingungen für die Buchproduktion günstig gewesen, deshalb ist die Anzahl der gedruckten litauischen Bücher bis zur Mitte des 19. Jhs. in Kleinlitauen größer als in Großlitauen gewesen. Durch die Verbreitung der litauischen Druckwerke wurde die immer stärker werdende litauische Nationalbewegung des 19. Jhs. entscheidend angeregt. Andererseits ist die Freiheit des gedruckten und gesprochenen Wortes in litauischer Sprache durch die Politik der preußischen und deutschen Regierungen behindert worden, die bestrebt waren, nationale Minderheiten zu germanisieren. 1873 ist, zum Beispiel, die litauische Sprache aus den Schulen verdrängt worden. Kulturelle Tätigkeiten der Litauer und die litauische Presse sind in den Jahren des Hitler-Regimes verboten gewesen.

Der Autor der Monografie stellt fest, dass litauische Bücher in Kleinlitauen in der Zeit von 1547-1940 herausgegeben worden sind. In dieser Zeit sind in 15 Städten und kleineren Ortschaften insgesamt 3228 litauische Bücher erschienen. Die wichtigsten Zentren der litauischen Buchproduktion sind Tilsit (litauisch: Tilþë, heute: Sowetsk) mit 1100, Memel (litauisch: Klaipëda) mit 764, Königsberg (litauisch: Karaliauèius, heute: Kaliningrad) mit 649, Prökuls (litauisch: Priekulë) mit 268, Bittehnen (litauisch: Bitënai) mit 123 Büchern gewesen. Außerdem sind für den Bedarf des Landes noch 217 Bücher in 22 anderen Städten Europas gedruckt worden. Dadurch sind kulturelle Beziehungen und die Entwicklung der lithuanistischen Wissenschaft gefördert worden.

In der Monografie wird gezeigt, dass litauische Bücher in Kleinlitauen, wie auch bei den Nachbarvölkern, ihren Ursprung im religiösen Schrifttum haben. Den Anfang hat das Buch Catechismvsa prasty szadei, makslas skaitima raschta yr giesmes... (Die einfachen Worte des Katechismus, die Lehre vom Lesen der Schrift und Lieder..., 1547) gemacht, das von Martynas Maþvydas (Martinus Mosvidius) als Handbuch für protestantische Pfarrer, Lehrer und andere gebildete Leute zur Unterweisung des einfachen, bis dahin der Schrift nicht kundigen Volkes herausgegeben worden ist. Im Repertoire des 16. bis 18. Jahrhunderts sind Katechismen, Sammlungen geistlicher Lieder, Gebetbücher, Bibeltexte, asketische Schriften, im 19. und 20. Jahrhundert dann eher Belletristik, populärwissenschaftliche und gesellschaftspolitisch orientierte Literatur vorherrschend gewesen. Grammatiken der litauischen Sprache und Wörterbücher haben den Fortschritt der Baltistik und der vergleichenden Sprachwissenschaft gefördert. Die internationale Philologengemeinschaft hat die erste Sammlung der litauischen Folklore (Dainos oder Litauische Volkslieder) mit Wohlwollen aufgenommen, die 1825 von Ludwig Rhesa herausgegeben worden ist. Das klassische Poem von Kristijonas Donelaitis (Christian Donalitius) Metai (Das Jahr in vier Gesängen, 1818) ist für die gesamte litauische Literatur von entscheidender Bedeutung gewesen. Die litauischen Bücher zeichnen sich durch ein hohes intellektuelles Niveau ihrer Autoren aus, sie spiegeln die Bemühungen wider, die eigene Kultur, politische Aktivität und das nationale Bewusstsein der litauischen Bevölkerung in Preußen anzuregen und auf diese Weise den Germanisierungsbestrebungen durch die Obrigkeit entgegenzuwirken. Die Bücher, die in Kleinlitauen erschienen, wurden in verschiedenen Ländern Europas und in Großlitauen verbreitet und haben ihren Beitrag zur Integration der durch Staatsgrenzen getrennten Teile des litauischen Volkes geleistet.

Die Monografie von Professor Domas Kaunas ist das Ergebnis langjähriger Forschungsarbeiten. Das Material hat der Autor in Bibliotheken, Archiven, Museen und privaten Sammlungen in Litauen, Deutschland, Lettland, Polen, Russland, Großbritannien, Kanada und in den USA gesammelt. Das Buch ist mit Unterstützung der litauischen Regierung und der Kleinlitauen-Stiftung (Kanada) in Verbindung mit dem 450. Jubiläum des ersten litauischen Buches herausgegeben worden. Die Arbeit des Autors ist auch in vielerlei Hinsicht durch die Autochthonen von Kleinlitauen unterstützt worden, die sowohl in ihrer Heimat als auch im Ausland leben.

Neuerscheinung: Domas Kaunas. Maþosios Lietuvos knyga / Das Buch in Klein-Litauen. Entwicklung der litauischen Buchproduktion 1547 - 1940. -Vilnius:  Verlag Baltos lankos 1997


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