
DAS ERSTE LITAUISCHE BUCH

Der Nemunas-Fluß trennt Litauen
von dem jenseits liegenden Ostpreußen
Der Katechismus von Mosvidius
Das erste litauische Buch ist eine Publikation von kleinem Format (18x11 cm), die 79 Seiten umfaßt und fast durchgehend (mit Ausnahme einiger Überschriften und des lateinischen Textes) in gotischer Schrift gedruckt worden ist. Der lateinische Text ist schön sorgfältig gedruckt worden, die gotischen Buchstaben des litauischen Textes dagegen sind oft ungleichmäßig gedruckt, und der Abdruck ist nicht überall deutlich genug; Die Druckerei muß in technischer Hinsicht ziemlich schlecht gewesen und nicht ausreichend mit Schriften ausgerüstet worden sein; Bei Mangel der Zeichen einer Schriftart, hat man Buchstaben einer anderen verwendet. Es scheint, daß etwa 200-300 Exemplare gedruckt worden sind.
Das erste litauische Buch ist nicht nur ein Katechismus, wie es auf der Titelseite steht; hier wird auch der erste bekannte litauische Originaltext in Versen, die erste litauische Fibel, die erste litauische Sammlung geistlicher Lieder Publiziert. Der Herausgeber ist auf der Titelseite nicht angegeben, doch sein Name steht, wie J. Safarewicz entziffert hat, im Akrostichon der Vorrede in Versen versteckt: Martjnvs Masvjdjvs. Wie die Sprachforscher Ch. Stang und E.Fraenkel festgestellt haben, stellt der Text des Katechismus von Mosvidius im wesentlichen eine sehr wörtliche Übersetzung der polnischen Katechismen von J.Seklucian (1545) und J. Malecki (1546)dar. Es sind auch leteinische Qellen benutzt Worden.
Das Buch fängt mit einem Widmungsepigram an das Großfürstentum Litauen an, woraus man Schließen kann, das der Autor eher die Leser in Großlitauen als diejenigen in Ostpreußen im Sinne hatte. Das Epigramm ermahnt, sich an das schreckliche Letzte Gericht zu erinnern und den Protestantismus anzunehmen.

Die Widmung an das Großfürstentum Litauen im ersten litauischen Buch
Bis jetzt ist noch nicht endgültig klar, wer die lateinische Vorrede "An die
Hirten und Diener der Kirchen in Litauen..." geschrieben hat. Es wird angenommen,
daß der Autor dieses Textes Professor der Theologie der Universität Königsberg
Fridericus Staphylus gewesen ist, der einige Zeit in Litauen gelebt hat und das Litauische
beherrschte. In dieser Vorrede wird die Katholische Kirche kritisiert, die es nur den
Priestern erlaube, die Bibel zu lesen, es wird hier der Nutzen des Katechismus als des
ersten Lehrbuchs für Fragen der Religion betont und darüber geklagt, daß die Litauer
sich von dem wahren Glauben fernhielten und noch immer heidnische Götzendienste feierten.
Die litauische Vorrede in Versen wird hier noch getrennt behandelt.
Im Buch von Mosvidius gibt es eine Fibel, in der zum ersten Mal ein Alphabet vorgelegt wird, der sich zum Aufzeichnen der Laute der litauischen Sprache eignet und eindeutig das Lateinische zum Vorbild hat.

Das erste litauische Alphabet im Katechismus von Mosvidius
Der Katechismus selbst besteht aus den zehn Geboten Gottes, den Gebeten, einigen Fragmenten, die als erste Versuche gelten können, die Bibel ins Litauische zu übersetzen, und einigen anderen Texten.
Den größten Teil des Buches bildet geistliche Lieder; es werden elf Lieder mit Mensuralnotationen publiziert. Es wird vermutet, das der Liederteil von einigen Autoren vorbereitet wurde, wobei die meisten Übersetzungen wohl von Mosvidius stammen. Es ist aber anzunehmen, daß die übrigen Lieder von Rapagelanus, Abrahamus Culvensis u.a. übersetzt wurden.