DAS ERSTE LITAUISCHE BUCH

 

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Der Nemunas-Fluß trennt Litauen von
dem jenseits lieegenden Ostpreußen

Die Vorrede in Versen

Die ersten Worte des Vorrede in Versen "Brroliai seserys, imkit mane ir skaitykit"("Brüder und Schwester, nehmt und lest mich") sind heute zu einem poetischen Klischee geworden, das unzählige Paraphrasen erlebt hat. Auf den ersteen Blick besteht diese Vorrede aus einer Anhäuffung ziemlich primitiver Ermahnungen, die in einer schwer verständlichen Sprache geschrieben worden ist. Interessant ist übrigens die Forrm der Anrede, die ein natürliches, lebendiges Gespräch oder einen Streit mit dem Leser immitiert, indem der Autor Fragen stellt und mögliche Antworten des Gesprächspartners vorwegnimmt. In der Vorrede werden drei Verschiedene Schichten von Lesern angesprochen: der einfache Bauer, der Herr unf der Priester. Die größte Aufmerksamkeit des Autors gilt dabei dem einfachen Volk, dem die Vorzüge des neuen Glaubens erklärt worden müssen. Der Glaubensprädiger ist selbstverständlich nicht geneigt, seinem Leser die Möglichkeit zu geben, frei zwischen den alten Göttern und dem neuen Gott zu wählen, er ist bestrebt, seine Meinung aufzuzwingen. Doch Gespräch der Gesprächspartner der Vorrede versucht, den Überredungen standzuhalten, indem er behauptet, daß die heidnische Überlieferung, d.h., das gewohnte Leben ihm doch lieber sei. Interessant ist die Tatsache, daß in diesem Streittge spräch dem neuen Gott weibliche heidniche Gottheiten entgegengestellt werden.

 

 

Die Vorrede des Katechismus, das erste gedruckte weltliche Gedicht in litauischer Sprache

 

“Knygelës paèios bylo ...”
In Ausführung auf litauisch von Schauspieler Algirdas LATËNAS
ein 7-Sekunden-Auszug


Die "Herren" werden in der Vorrede gebeten, nicht nur dafür zu sorgen, daß die Leute jede Woche die Kirche besuchen, sondern auch darüber zu wachen, ob die Priester das Volk belehren; sollten die Priester ihre Pflicht vernachlässigen, werden die "Herren" selbst aufgefordert, den neuen Glauben zu verbreiten.

Die größte Veränderung, die jetzt eingetreten sei, sei die Fähigkeit des Menscheen zu lesen und die "Lehre" Christi zu verstehen. Solange das gedruckte Wort gefehlt habe, habe es auch die Möglichkeit nicht gegeben, diese Lehre richtig zu verstehen, da ihre Verbreitung vom Willen der Herren und Priester abhängig gewesen sei. Das Buch eröffnete überhaupt eine neue, eine neuartige Epoche der Kultur, in der der Lauf der Geschichte bereits deutlich wahrgenommen, die Grenze Zwischen dem Gewesenen, dem Altertum, und der Zukunft fixiert werde.

 

 

Heiligtum der pruzzischen Götter Graphik
aus dem Werk von Ch. Hartknoch  
Alt und Neuer Preussen oder Preussischer Historien zwei Teile

 

Die litauische Vorrede hat Mosvidius in einem Versmaß verfaßt, das sich auf eine ähnliche syntaktische Struktur und damit auch auf eine ähnliche Intonationsbewegung der Zeilen stürzt, Wobei die Silbenzahl und die Verteilung der Hebungeninnerhalb einer Zeile nicht genau festgelegt sind.

Diese 112 Verse zählnde Vorrede stellt heute ein Szmbol nicht nur für den Anfaang des gedruckteen Wortes in litauischer Sprache, sondern auch für den Anfang der litauischen weltlichen Poesie dar. Kulturhistoriker interessieren sich für diesen Text, weil er ein authentisches Dokument ist, welches über die Konfrontattion des Katholizismus mit dem Protestantismus in Litauen Zeugnis ablegt. Ethnologen finden hier Informationen über die alten heidnischen laubensformen, über damalige Normen der Sittlichkeit und soziale Verhältnisse.

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