DER KULTURKONTEXT DES ERSTEN LITAUISCHEN BUCHES

 

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Die östliche Küste der Ostsee,
von den baltischen Völkern bewohnt


Ostpreußen

Im Jahre 1525 hat Albrecht von Brandenburg, der letzte Großmeister des Kreuzritterordens, Preußen zu einem weltlichen Staate erklärt und über einen Zeitraum von einigen Jahren den Protestantismus als offizielle Staatsreligion dort eingeführt. Er hatte verordnet, in allen Kirchen Preußens nur in der Landessprache zu predigen. In diesem Landstrich lebten die Nachkommen der kolonisierten Pruzzen und nicht wenige Litauer (das Gebiet wird Ostpreußen oder Kleinlitauen genannt), deshalb gab es Zusicherungen, sich auch um die litauische und Pruzzische Sprache zu kümmern. Preußen war damals politisch von Polen abhängig und unterhielt gute Beziehungen zu Litauen. Dennoch war Herzog Albrecht bestrebt, diese Abhängigkeit von sich abzuschütteln und den eigenen politischen Einfluß zu stärken. Aus diesem Grunde hat er die Reformationsbewegung in Litauen und Polen unterstützt, aufgeklärte Männer um sich geschart und begünstigt. Er war bestrebt, solche litauische Pfarrer auszubilden, die nicht nur in Preußen, sondern auch in Litauen wirken könnten. 1544 hat er die Universität Königsberg gegründet, für die er auch in Litauen warb. Um das Wort Gottes in der Sprache zu predigen, die das Volk verstehen Kann, waren auch religiöse Schriften notwendig. Auf Anregung von Albrecht entstand ein pruzzischer Katechismus (1545) für die noch gebliebenen Pruzzen. Man fing an, auch einen litauischen Katechismus vorzubereiten. Herzog Albrecht hatte allmählich eine Gruppe von aktiven und gebildeten Litauern um sich gesammelt und Arbeitsmöglichkeiten für sie geschaffen.

 

 

 

Herzog Albrecht von Brandenburg (1490-1568),
der den Druck des ersten litauischen Buches und
der drei vorhandenen Bücher in pruzzischer Sprache finanziert hat.

 

 

Der erste pruzzische Katechismus (1545)


Einer von diesen durch Herzog Albrecht unterstützten Männer ist Abrahamus Culvensis gewesen, der, um das Jahr 1510 geboren, an den westeuropäischen Universitäten studiert hatte und in Wittenberg Schüler von Melanchton gewesen war. Abrahamus Culvensis war 1538 zu einem sehr günstigen Zeitpunkt nach Litauen zurückgekehrt, als der junge Großfürst von Litauen Sigismundus Augusstus und seine Mutter Bona in Vilnius residierten. Culvensis hatte einen guten Eindruck auf die Königin Bona gemacht, die ihm geholfen hat, 1539 eine Kollegartige Schule zu gründen. Diese Schule war ziemlich erfolgreich, und Abrahamus Culvensis trachtete danach, in Litauen eine ähnliche Rolle zu spielen, die Luther in den deutschen Ländern gespielt hatte. Er fing an, von der Kanzel öffentlich Reformationsideen zu predigen und die katholische Geistlichkeit anzugreifen. Als die Konfrontation zwischen den Protestanten und Katholiken heftiger geworden war, zog sich Abrahamus Culvensis nach Königsberg zurück. Hier wird er zuerst zum Berater des Herzogs Albrecht und ein wenig später - zum Vicerektor einer Art Vorbereitungsschule, die als Grundlage für die künftige Universität gedacht worden war. Als die Königsberger Universität 1544 gegründet wurde, wird Abrahamus Culvensis die Leitung des Lehrstuhls für griechische Sprache anvertraut. 1545 kehrt Abrahamus Culvensis für eine kurze Zeit nach Vilnius zurück, wo er sich leidenschaftlich in den Glaubensstreit stürzt, bis er bald, noch in demselben Jahr, stirbt.

 

 

 

The Cathedral of Königsberg

 

Zusammen mit Abrahamus Culvensis wirkt auch Stanislaus Rapagelanus, einer der bedeutendsten Männer der litauischen Kultur Ende des 16. Jahrhunderts, an der Königsberger Universität. Er hatte auch in Wittenberg studiert. 1544, bei der Verteidigung seiner Thesen zur Erlangung der Doktorwürde, hatte Martin Luther die öffentliche Disputation eingeleitet. An die Königsberger Universität zurückgekehrt, leitet Stanislaus Rapagelanus dann den Lehrstuhl der Theologie, der als der allerwichtigste galt. Er ist einer der aufgeklährtesten Professoren der Königsberger Universität gewesen. Es gibt Hinweise darauf, daß Stanislaus Rapagelanus begonnen hatte, die Bibel ins Litauische zu übersetzen. Mosvidius wird in seiner Sammlung geistlicher Lieder ein von Stanislaus Rapagelanus übersetztes Lied publizieren..

 

 

Königsberg (Graphik aus dem 17.Jh.)

 

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