LITAUISCHES KULTURINSTITUT
Jurgis Maliðauskas
DIE VORWORTE DER ERSTEN LITAUISCHEN UND PREUßISCHEN KATECHISMEN
PREUßISCHE KATECHISMEN
In den Vorworten von ersten zwei preußischen Katechismen kommen folgende westbaltische Stamm- bzw. Ortsnamen vor: Preußen, Samland, Natangen und Wehlau. Die Wendung "Samland sonderlich am rechten preußischen ort" lässt vermuten, dass hier die preußische Sprache noch am meisten verwendet wurde. Natangen und Wehlau tauchen bei der Erörterung der preußischen Sprache auf: "... preussen vff Natangen etliche wort jm Vater unser verkürzten vnd anders außsprechen..." sowie "dergleychen ist auch mit den Preüssen vmb Welaw die jhre accent etwas nach dem Litawischen lencken". Bei der Erörterung über die Sprachunterschiede sind auch Sudauer erwähnt, wobei es sich hier sicherlich um die im Samland im 13. Jahrhundert angesiedelten Sudauer handelt. Der dritte preußische Katechismus hat zwei Vorworte. Das erste ist von Herzog Albrecht und das zweite vom Übersetzer Abel Will geschrieben. Im Vorwort von Herzog Albrecht spricht man von der Gleichheit der Völker und von den pädagogischen Problemen. Herzog Albrecht spricht von der höheren Ausbildung der preußischen Jugend, von Stipendiaten und Studien. Albrecht gibt auch methodische Hinweise, wie man lehren soll, wenn am Ort Schulen vorhanden sind und wenn solche fehlen. Wo solche Schulen existieren, in denen Deutsch und Preußisch gelehrt wurde, erfahren wir im Vorwort nicht. Im Vergleich zu den Vorworten der beiden ersten preußischen Katechismen weisen die Vorworte des dritten eine stärkere Verweltlichungstendenz auf. Wenn in den beiden ersten preußischen Katechismen noch von der göttlichen Ermächtigung gesprochen wird, so hebt der dritte mehr die Macht des Herzogs hervor, was der allgemeinen Tendenz der Renaissanceepoche entspricht. Das zweite Vorwort huldigt den Herzog. Es ist uns in erster Linie als Dokument über den Übersetzer des Katechismus wichtig. Das Autor weist sich gleich am Anfang des Vorwortes mit Vor- und Nachnamen aus.LITAUISCHER KATECHISMUS
Maþvydas' Nähe zum alten heidnischen Glauben tritt deutlich zutage, wenn man sein Vorwort mit dem Vorwort in Luthers Kleinem Katechismus vergleicht. Bei Luther wird der Teufel fünfmal erwähnt. Luther schlägt vor, diejenigen, die aus dem Katechismus nicht lernen wollen, aus dem Land zu verbannen. Die Teufel bei Maþvydas dagegen haben keine abschreckende Funktion, wie es im Christentum der Fall ist. Sie werden vom litauischen Reformator zu anderen heidnischen Gottheiten hinzugezählt. Maþvydas schrieb dieses Vorwort sozusagen auf der Höhe seines Kulturschaffens, die zugleich das Ende der Prähistorie der Kleinlitauer bedeutete. Dagegen hatten die Preußen bereits vor den Katechismen eine längere Geschichte hinter sich. Im 9. Jahrhundert wurde ihr Name zum ersten Mal erwähnt, sie trieben Handel und führten Kriege mit den Normannen, kämpften ein halbes Jahrhundert lang gegen den Deutschen Orden, organisierten Aufstände und besaßen eine Führungsschicht. Ein Relikt aus ihrer Prähistorie ist die Legende von Waidewut. Das erscheinen der preußischen Katechismen fällt jedoch fast mit dem Untergang dieses Volkes zusammen.Bearbeitet nach:
Litauisches Kulturinstitut, Jahrestagung1997.
Die Vorworte der ersten prussischen und litauischen Katechismen