Algirdas MATULEVIÈIUS

DIE STUDENTEN AUS GROß- UND KLEINLITAUEN
AN DER UNIVERSITÄT KÖNIGSBERG IM 16.-17. JH.

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Die Reformationsbewegung und die damit verbundene Gründung der Universität Königsberg, das Entstehen des preußischen und litauischen Schrifttums sowie das Aufblühen des litauischen Schrifttums sind Phänomene der Entwicklung der Volkskulturen Europas. Im Laufe der drei letzten Jahre gab es drei wichtige, mit Klein- und Großlitauen verbundene Jahrestage, die die beiden Teile des litauischen Volkes verbinden: 1994 feierten wir den 450. Jahrestag der Gründung der Universität Königsberg, 1995 waren ebensoviele Jahre seit der Herausgabe des ersten Buches in preußischer Sprache, "Katechismus", vergangen (Dieses Jubiläum wurde nicht gefeiert, doch es ist sehr gut, es hier zu erwähnen.); und endlich der 450. Jahrestag seit der Herausgabe des ersten, von Maþvydas geschriebenen litauischen Buches, ebenso in Königsberg wie der eben genannten "Katechismus" gedruckt. Das ist nicht nur das Fest der Kultur, sondern auch eines der Religion. Der Anfang der Maþvydiana lag 1996 in Deutschland. Den Staat Preußen haben die Deutschen gegründet und seit dem 18. Jh. regiert; dabei wurde das baltische Land Prûsa zu einer Provinz des Königreichs Preußen (zusammen mit dem Kurfürstentum Brandenburg, dem ursprünglichen Land der Deutschen)

..."An der Universität Königsberg wurden im 16.-17. Jh. jährlich wenigstens einige litauische Studenten oder Vertreter anderer Nationen aus Großlitauen sowie aus dem ganze Großfürstentum Litauen aufgenommen. Besonders viele kamen aus den Nachbarländern Preußens, aus Schamaiten und Suvalken. Meistens waren das Protestanten. Die Litauen nächstliegende protestantische Universität besuchten meistens die mittleren und nicht sehr reiche Edelleute, Söhne protestantischer Priester sowie Bürger, die nicht an anderen Universitäten Europas zu studieren vermochten. Die Söhne von Bauern, Handwerkern, Dorflehrern wurden durch eine besondere Begünstigung des Rektors von der Immatrikulationsgebühr befreit. Ohne diese Gebühr wurden Priester sowie ihre Söhne immatrikuliert. Laut der Satzung dieser Universität sollte jeder reichere Student 10 und die reichen 20 Groschen bezahlen. 1622 wurde die Gebühr verdoppelt und später weiter erhöht. Aber es gab auch Ausnahmen. Der 1546 eingeschriebene (Immatrikulationsnummer 20) Schamaite Martynas Maþvydas (lat. Martinus Mosvidius) hat nur 1 Groschen bezahlt. Ihm und anderen von der katholischen Kirche und auch von der polnischen Königin Bona Sforca verfolgten und aus dem Litauen nach Preußen gekommenen Reformierten wurde jene Ermäßigung zugebilligt. Der andere Schamaite, Simonas Vaiðnoras (1568 Inschrift "Simon Wosnarus Lituanus"), hat 10 Groschen bezahlt. Der 1555 eingeschriebene Jonas Bretkûnas ("Johannes Bretke Friedlandensis... pauper pupilus") als arme Waise hat nur 5 Groschen bezahlt. 1573 wurde eine ganze Familie in die Matrikula eingeschrieben, "Nicolus, Zacharias, Johannes Blotno", alle drei haben je 5 Groschen bezahlt. 10 Groschen hat Bürgermeister von Këdainiai, Steponas Jaugelis Telega ("Stephanus Telega, Kiedano, Litwanus"), bezahlt, der 1648 begann, Jura zu studieren."

LITERATÛRA IR MENAS, 25.01.1997 (Auszug)


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