
DIE AUSSTELLUNG "DAS ERSTE LITAUISCHE BUCH. KULTURELLER KONTEXT UND TRADITION"
im P.-Smuglevièius-Saal der Universitätsbibliothek Vilnius, vom 8. Januar 1997 bis 31. August 1997
Litauen feiert das 450-jährige Jubiläum des ersten litauischen Buches - Catechismusa prasty szadei... von Martynas Maþvydas. Am 8. Januar 1997 wurde anlässlich dieses Ereignisses die Ausstellung "Das erste litauische Buch. Kultureller Kontext und Tradition" im P.-Smuglevièius-Saal der Universitätsbibliothek Vilnius eröffnet. Diese Ausstellung erwartet Besucher bis zum 31. August 1997.
Die Universitätsbibliothek Vilnius, die 1995 ihr 425-jähriges Jubiläum gefeiert hatte, war seit ihrer Gründung ein Kulturzentrum nicht nur in der Stadt Vilnius, sondern auch in ganz Litauen und in den Nachbarländern. Heutzutage werden in der Bibliothek 5 Millionen Bände aufbewahrt. Allein die Rara-Abteilung besitzt etwa 180.000 alte, rare Drucke. In dieser Abteilung befindet sich das Original des "Katechismus" von M. Maþvydas, eines von zwei in der Welt erhalten gebliebenen Exemplaren.
Die Veranstalter der Ausstellung haben das Ziel angestrebt, den kulturellen Kontext zu deuten, in welchem das erste litauische Buch das Licht der Welt erblickt hatte, und zugleich Quellen und Voraussetzungen seines Erscheinens zu zeigen. Dabei werden auf Pergamentpapier geschriebene Dokumente, ein prächtiges Fragment eines katholischen Gesangbuchs - des Antiphonars - ausgestellt. Hier sind die ersten Texte in litauischer Sprache zu sehen, die in den lateinisch geschriebenen Büchern (1503 und 1530) eingetragen worden sind. Ein anderes interessantes Exponat ist Apostol von Francysk Skaryna (1525, Vilnius), das zweite vom ersten Buchdrucker der Stadt Vilnius gedruckte Buch. In der Ausstellung wird ein Panorama des kulturellen Lebens im Großfürstentum Litauen im 16. Jahrhundert dargestellt, und zwar die damaligen Druckereien sowie eine Rolle des Hofes von Sigismund Augustus (hier werden prächtig eingebundene Bücher aus der Bibliothek von Sigismund Augustus ausgestellt). Unter diesen Bedingungen entwickelten sich Ideen von Reformation und Humanismus.
Die Ausstellungsstände führen uns nach Preußen des 16. Jhs., in die Stadt Königsberg. An den Ständen werden eine farbenreiche Gravur der Stadt Königsberg, ein Bild von Martin Luther und seine Übersetzung der Bibel exponiert. Dieses Buch ist mit einem hellen, ledernen Bezug und einem auf dem Buchdeckel eingeprägten Bild Luthers versehen. In Königsberg wirkten in dieser Zeit Abraomas Kulvietis, Stanislovas Rapolionis, Jurgis Zablockis, Aleksandras Rodûnionis, die aus Litauen dorthin übergesiedelt waren. Das Buch von Aleksandras Rodûnionis aus seiner privaten Bibliothek mit dem lateinischen Vermerk "erworben durch Aleksandras Rodûnionis für sich selbst und für seine Nächsten" ist durch diese Eintragung dem einzigen Buch aus der privaten Bibliothek von M. Maþvydas selbst - Opera von J. Flavius (1524, Köln) - ähnlich. Daneben liegt das Originalbuch von M. Maþvydas sowie Originale der Gravuren von Ragainë, Wittenberg und anderen deutschen Städten.
Andere Sammlungen der Ausstellung stellen Traditionen des litauischen Schrifttums nach den Maþvydas-Zeiten im 16.-18. Jh. dar. Man sieht viele rare litauische Veröffentlichungen aus damaliger Zeit: Katechismas von M. Daukða (1595, Vilnius - das einzige erhalten gebliebene Exemplar), Postilla (1599, Vilnius), Evangelias bei epistolas und Enchiridion (beide 1579, Königsberg - jetzt schon Unikat) von B. Vilentas, Zemczuga theologischka von S. Vaiðnoras (1600, Köln), Punkty kazan von K. Sirvydas (1629, Vilnius) sowie Auflagen seiner Wörterbücher. Hier werden auch die erste vollständige litauische Übersetzung der Bibel (1735, Königsberg) und exotische Edikte der preußischen Könige (1724, Königsberg) gezeigt. Statistische Übersichtstabellen stellen eine große Menge von litauischen Veröffentlichungen der Zeitperiode 1547 bis 1800 dar, und eine Karte Europas mit markierten Stellen weist die Verbreitung litauischer Bücher auf.
Alma Braziûnienë
Leiterin der Rara-Abteilung
Universitätsbibliothek Vilnius