1547 1997

PROGRAMM

der Veranstaltungen zum 450. Jahrestag der Herausgabe des ersten litauischen Buches

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FEST DES LITAUISCHEN BUCHES UND SEINER FREUNDE

Die Bedeutung von Martynas Maþvydas (Mosvidius) für das litauische Volk ist der Bedeutung Johannes Gutenbergs für das Deutsche vergleichbar. Beide haben die Ideen und das Denken der Renaissance verbreitet und haben dazu die vollkommenste Schöpfung der Menschheit - das gedruckte Buch - zum wichtigsten Medium ihrer Tätigkeit gewählt. Mit seiner Hilfe ist es ihnen gelungen, die Grenzen und Möglichkeiten der Erkenntnis zu erweitern. Es war Martynas Maþvydas, der das deutsche und das litauische Volk einander näher brachte. Nach seinem Studium an der Universität der preußischen Hauptstadt Königsberg (lit. Karaliauèius) wirkte er einige Jahrzehnte als evangelisch-lutherischer Pastor in der deutsch-litauischen Gemeinde Ragnit (lit. Ragainë). Angeregt wurde er in seinem Schaffen durch die Schriften von M. Luther und die Werke der anderen Reformatoren. Insbesondere für die Litauer ist M. Maþvydas von nationaler Bedeutung. Dank der Herausgabe des ersten litauischen Buches und anderer Werke dieses Absolventen der Königsberger Universität, der aus Þemaitija, dem ureigenen Gebiet Litauens, stammte, wurde der Durst unseres Geistes gestillt und der Weg gezeigt, auf dem wir erwachsen und reif geworden sind. Wir haben dadurch gelernt, miteinander und mit der ganzen Welt zu sprechen, uns vor der Not zu retten und das Fremdenjoch abzuschütteln. Heute ist M. Maþvydas immer noch unter uns. Auf seinen Namen haben wir uns in der düsteren Zeit der Sowjetokkupation berufen, als wir den 400. Jahrestag des ersten litauischen Buches begingen. Er ist auch im unabhängigen, demokratischen Litauen gegenwärtig, das nun das 450-jährige Jubiläum des gedruckten litauischen Wortes feierlich begeht.

Der Name Martynas Maþvydas ist auch international bekannt. Sein Erbe erforscht man in vielen Ländern, seinen Namen erwähnt man unter denen der bedeutendsten Humanisten des 16. Jahrhunderts. Die Generalkonferenz der UNESCO (Paris, 28. Sitzung, l995) hat den 450. Jahrestag des ersten litauischen Buches in den Kalender der wichtigsten Ereignisse des Jahres 1997 aufgenommen und die Weltgemeinschaft aufgerufen, ihn sinnvoll zu begehen.

In Litauen werden schon seit geraumer Zeit Vorbereitungen getroffen, um dieses Ereignis entsprechend zu würdigen. Die wichtigsten Vorhaben - Konferenzen, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Kunstwerke, etc. - sind im staatlichen Programm der 450-Jahr-Feier des ersten litauischen Buches von M. Maþvydas enthalten. Bei der Zusammenstellung dieses Programms, die vom Parlament (Seimas) sowie der Regierung der Republik Litauen beratend und begutachtend begleitet wurde, haben die bedeutendsten litauischen Wissenschaftler, Künstler und Intellektuellen mitgewirkt. Nach seiner Veröffentlichung in der Presse wird das Programm hiermit auch dem Teil der deutschen Öffentlichkeit vorgelegt, der sich für die Lithuanistik und die Beziehungen zwischen den beiden Völkern interessiert. Das Jubiläum des ersten litauischen Buches bietet eine günstige Gelegenheit, die deutsch-litauische Zusammenarbeit auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet auszubauen. Der erste Schritt in dieser Richtung ist die Konferenz "450 Jahre deutsch-litauische Buchbeziehungen", die von der Ostseeakademie (Lübeck-Travemünde) vom 12. bis 17. Juni 1996 veranstaltet wird. Wir hoffen, dass M. Maþvydas mit seinem ersten litauischen Buch bei den deutschen Baltisten, den Lithuanisten, den Mitarbeitern der wissenschaftlichen Bibliotheken und der Universitäten, einem breiten Kreis von Wissenschaftlern sowie bei allen Freunden Litauens große Aufmerksamkeit erregen wird. Unsererseits möchten wir die deutschen Intellektuellen auffordern, die in Litauen veranstalteten Konferenzen zu besuchen, ihre eigenen wissenschaftlichen Arbeiten in unseren Publikationen zu veröffentlichen und an ausgeschriebenen Wettbewerben teilzunehmen. Es bestehen ohne Zweifel noch weitere Möglichkeiten einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Die Universität Königsberg hat nicht nur dem Klassiker der litauischen Literatur, dem Autor des Poems "Das Jahr in vier Gesängen" (1818), Kristijonas Donelaitis, sondern auch dem Herausgeber der ersten Sammlung litauischer Lieder, "Dainos oder Litthauische Volkslieder" 1825, Ludwig Rhesa, sowie anderen weniger bekannten Autoren des litauischen Buches und des gedruckten Wortes den Weg in die Weltöffentlichkeit gebahnt. Wir hoffen, dass die 450-Jahr-Feier des ersten litauischen Buches von M. Maþvydas viele alte und neue Freunde des litauischen Volkes zu uns führen wird. Wir warten auf Sie!

Algirdas Brazauskas
Präsident der Republik Litauen

Vilnius, 09 April 1996


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