Martynas Maþvydas

BRIEFE  UND TESTAMENT

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Es handelt sich um dreizehn von Maþvydas in lateinischer Sprache zwischen 1548 und 1561 verfasste Briefe, die heute in Göttingen aufbewahrt werden. Der erste ist an den Rektor der Universität Königsberg, die anderen an Herzog Albrecht von Preußen gerichtet. Diese Publikation stützt sich auf die durch M. Roèka aufbereiteten Texte der Briefe (Pirmoji lietuviðka knyga, S. 243-334). Die Briefe sind mit Aufnahmen auf Mikrofilmen von den Originalen in der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften Litauens (Sign. Mf. 158) verglichen worden. Sie sind in klassischem Latein verfasst, jedoch tauchen manchmal Formen mittelalterlichen Lateins auf (littera > litera, immo > imo, foecunditas > fecunditas, etc.). Die Unterschiedlichkeit der lexikalischen Formen ist nicht vereinheitlicht worden.
Die Briefe betreffen in den meisten Fällen persönliche und landwirtschaftliche Angelegenheiten von Maþvydas, außerdem die religiöse Situation der Bauern. Maþvydas beschwert sich über seine finanzielle Lage und bittet unterwürfig um Unterstützung. In den Briefen von Maþvydas werden die Gesuche erschöpfend begründet, an väterliche Fürsorge und Freigiebigkeit des Adressaten appelliert, seine Wohltätigkeit und Versprechen erwähnt, der Adressat ständig mit Worten tiefster Verehrung tituliert usw. Für den Stil von Maþvydas sind Redegewandtheit, keine Sparsamkeit mit Worten und Übertreibungen charakteristisch.

Etsi te, Clarissime vir, tam crebro accedere vereor, tamen quia talis pudor viro egenti inutilis censetur esse, quo postposito tuam Magnificentiam accedere constitui mecum. Itaque quod tam saepiuscule convenio te, vir Praestantissime, non temeritati meae, quae nulla est in me, sed egestati, quae, ut Martialis inquit, multa tentare suadet cogitque, erit ascribendum. Qua de causa una cum his accesserim te, vir Ornatissime, breviter accipe.

Tempus gelidum seu hybernum prae foribus astat, contra quod si quis non est munitus et sibi non prospicit, periclitatur sine dubio de valetudine sua. Cum vero ad depellendum frigus vestimenta non apta, verum lacera et vehementer attrita habeam, de quibus expediendis ab Illustrissimo Principe, domino nostro Clementissimo, tuam Magnificentiam, vir Clarissime, accedendum putavi. Alium enim, ad quem accederem in hac re, praeterquam te, patrone noster, perpetua mente colende et suspiciende, nullum vel novi vel scio. Haec itaque est causa, cur simul cum his venerim ad te, colendissime Patrone. Quapropter, quam humillime possum, te, vir Praestantiss[ime], oro, ut haec mihi apud Illustriss[imum] Principem expedias. Si enim vestimenta nunc mihi data fuerint, tunc satis habebo in duos annos neque essem molestus in efflagitandis Illustrissimo Principi et tuae Magnificentiae. Sin vero mihi denegata fuerint, durissima sustinere cogar frigora et valetudinis meae diminutionem non modicam. Ad occurendum proinde his imminentibus malis seu incommodis te, vir Clarissime, iterum atque iterum oro, ne reicias meas preces, quas iam fundo ad tuam Excellentiam, verum pro pietate et clementia solita hoc opus pium et dignum tua Magnificentia, mihi vero maxime necessarium et gratissimum, conficere velis. Facturamque tuam Excellentiam id pendulo animo esse minime possum.

Bene tandem his ac feliciter valeat tua Magnificentia in Nestoreos annos ad gloriam Dei, ad utilitatem et ornamentum Reipub[licae] Christianae et ad peculiare solamen et refugium nostrum.

 E[iusdem] T[uae] M[agnificentiae]
deditissimus Martinus Mossuid,
Protomartyr dictus, Artium Baccalaureus.
[1548]


TESTAMENT

Wir, hernach geschriebene Baltzerjerichau, Jochim Pole, Nikel Drochner und Heinrich Buchner Bekennen und thun kunt gegen jedermeiniglich [en], insonderheit den es zu wissen von nöten ist, das uns der wirdige und wolgebore Martinus Moswidius, der Pfarher zu Ragnit und seine Hausfraw Benigna semptlich und ein jeder insonderheit zu sich gebeteb und erfördert, alda in unserer aller gegenwertigkeit angezeiget und vermeldet:

Saitemal sie nach schickung des allerhöchsten in ihrer ehelichen beiwohnung mit keinen leibes erben begabet und nichts weniger die treue liebe und herzliche zuneigung, so götlicher ordnung und dem Christenthumbnach sich in diesem stande eigent, gegeneinander gespuret und solche liebe auch treue mit der that gegeneinander zubekreffftigen, und zubeweisen, gewogen. Also hatten sie sich aus dieser und anderer mehr beweglichen vrsachen entschlossen einander folgender gestalt ires hab und gut, welches sie aus rauher Wurzel und durch den Segen Gottes bekommen, in willen und meinungeiner donation, im Rechten Reciproca genant, zuuermachen und auffzutragen; welches sie dan in unserm beiwesen mit gutter vernunft, ungenöttigt und ungezvungen, in der besten form und gestalt, wie solches im Rechten auch diesem lantleuffigen brauch nach am bestendigsten sein, kan oder mag, dasselbe gethan.

Also und der gestalt, das wo nach dem willen des allerhochsten herr Martinus Moswidius brurter seiner hausfrauen Benignen Toderleben ind sie keine leibliche erben von ime lassen wurde, So hat gedachte seine hausfrau in geebetener und von dem Edlen und Ernuesten Georgen von haugwitz, hauptman zur Tilse, diss fals zugelassener und Confirmirter vormuntschaft unser Baltzar Jerichau und Joachim Polen bewilligt, das er, Martinus Mosswidius, irer beder gut, hab, farnuss und nachlases seij an ligenden grunden, hausrath, gold, kleidern und allem andern geschmeide, gulden und  Silbern,klein und gross, in oder ausserhalb des Herzoggthumbes Preussen gebe und wie es jminer [?] Naamen ha[ben] möcchte und in Sammen nichts ausgenimmen, für sich allein behalten, mit demselben als seinem Proper und eigeeneem gut ohne einige theilung und menigliches behindern, ein oder zuspruche zu thun und zulassen mochtig seinsol; hinwiderumb hat berürter Martinus Mosswidius verwilligtund zugesagt, das wo die obgenannte seine hausfrau benigna nach götlicher schiickung keine leibes erben von jm haben und also seinen todt erleben wurde, Solle gleichfalsjrer beider gut, habe, tarnuss und nachlas in allermassen gestalt, Puncckten und Clauseln, wie oben erzelt, an sie gentzlich fallen, dasselbe ohne jr keine theilung für sich allein zubehalten, mit demselben alsjrem proper und eigenen gut zu thun und zulassen.

Wann aaber Martinus Mosswidius und Benigna, seine Hausfrau, beide von diesem leben abgeschieden und von keinemtheil eheliche leibes erben vorhanden weren, so sollen jrer beider negste blutsfreunde desjenigen theiles, welches unter gedachten beiden eheleuten das letzte im leben gewesen, nachlas und farnuss zugleich theilen.

Das solches alles, wie ob vorttzelt, in unserer aller gegenwertigkeit geschehen und voltzogen, zeugen wir hiermit und in krafft dieses offenen brieffes und der zu mehrer Vrkunt der wahrheit und bekrefftigung haben wir unsere sigel und pettzzschafft hieerauff gedruckt und uns mit eigner hant underschriieben. Geschehen und gegeben zur Tilse den neun und zwanzigsten Februarj nach Christij, unseres herrn, geburt Tausentfünffhundert und Sechstzigstenn Jare.

[Siegel fünf]

Jorgens v. Haugwiz
Balcer Jerichau
Joachim Polen
Nikolaus Drochner
Heinrich Buchner

 

SCHRIFT DER BESTÄTIGUNG DES TESTAMENTS

Von gotes gnaden Wir Albrecht atc Bekennen und thun kunt für unsere erben, erbnemen und nachkommende herschaft, gen jedermenniglichen dieses unseres offenen brieffes ansicchtigenund insonderheit deenen es zu wissen vonnöten, das uns derr wirdige unser pfarrer zu Ragnit und lieber getreuer Martinus Mosswidius undertheniglichen ersuchen und bitten lassen. Nachdem jm beijsein erlicher unserer underthanen (als darzu erbeteenen zeugen) zwischen jme und seiner eehelichen hausfrauen Beningna eine donation jrer   gutter, die man jm rechten Reciprocam [im Rand: remuneratoriam] oder donationem mortis caussa heisset, gescheben, das wir als der Landesfurst solche zu merer sicherheitaus furstlicher macht und obrickeit confirmiren und bestetigenwolten,welche vonn wort zu wort also lautet wie folgt wwir hernach etc. Confirmiren und bestetigen demnach hiermit und jn krafft dieses unseres briues für uns, unser erben,erbnemen undnachkomende herschafft aus furstlicher macht und hoheit genante donation jn form und wort wie sie alhie verzeichnet, und wollen di[se] für formblich krefftig, bestendig und v[onn] meniglicher jmunserm furstenth[umb] unangefochten gehalt haben.

Treulich [...] zu vrkunt [...] mit unserem anhange.Jm sigel etc.

Confirmation v[on] des pfarrers zu [Ragnit] donation den 28.

[...] anno 60

[Unterschrift]

 

Literatûra ir kalba (Literatur und Sprache), XIV.- Vilnius: Vaga 1977, 521 - 525 S. Vorbereitet von M. Roèka


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