1547 1997

 

Ingë LUKÐAITË

DAS ERSTE LITAUISCHE BUCH UND DAS KULTURELLE SCHAFFEN

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Zusammenfassung

Das erste Buch in litauischer Sprache, Katechismusa prasti szadei, makslas skaitima raschta yr giesmes (Die einfachen Worte des Katechismus, die Lehre vom Lesen der Schrift und Kirchenlieder; Karaliauèius/Königsberg, 1547) von Martynas Maþvydas, war das Ergebnis von ähnlichen kulturellen Prozessen, die auch in den anderen zahlenmäßig kleinen europäischen Völkern (Letten, Esten, Finnen, Isländer u. a.) im 16. Jh. stattfanden. Die Litauer unterschieden sich von den anderen dadurch, daß sie einen eigenen Staat gebildet hatten und ihre Staatlichkeit im 16. Jh. noch behielten, aber für ihre Dokumente die herkömmlichen Schriftsprachen gebrauchten, nämlich Latein und Ostslavisch. Nachdem die Reformation den Wert der Volkssprachen, der linguae vulgares, hervorgehoben hatte, hat man im 16. Jh. damit angefangen, in diesen Bücher zu drucken, die in mehreren Ländern Zeichen für eine rasche Modernisierung der Kultur wurden. Sie zwangen dazu, den traditionellen Gebrauch der Schriftsprachen zu brechen, berechtigten zu einer breiteren Verwendung der Volkssprachen im Schrifttum, förderten die Normierung der Sprachen, und als sich ihr Gebrauch auf die neuen Gebiete der Kultur ausdehnte, erweiterten sie auch die Lexik. Die im 16. Jh. eingeleitete Demokratisierung der Schriftanwendung und -lehre wurde im 20. Jh. mit der Verwirklichung der allgemeinen Schreibkundigkeit beendet. Dies war auch die Bedeutung des ersten Buches. Der Katechismus von M. Maþvydas machte den Anfang für ein umfangreiches Programm, das über ein halbes Jahrhundert bestand: die Herausgabe der Bücher für die lutherischen Kirchen. Dieses Buch gab auch den Anstoß dafür, daß die litauische katholische Kirche mit einer analogen Tätigkeit anfing. Die meisten von den 13 Autoren der ersten Bücher in Litauen stammten aus dem Großfürstentum Litauen und waren Vertreter von allen ethnischen Gebieten Litauens (Südosten, Aukðtaiten, Þemaiten und Mittellitauisches Tiefland). Das erste Buch war für das ganze litauische Volk bestimmt: sowohl für die Litauer im Großfürstentum Litauen als auch für die im Herzogtum Preußen. Die Herausgeber des Buches begriffen recht gut die Bedürfnisse der litauischen Kultur, sie wählten die Reformation im Bestreben, die Kultur zu modernisieren und schätzten die litauische, also ihre Muttersprache. Das erste litauische Buch war eine schöpferisch zusammengestellte Sammlung von Texten (der Katechismus, eine litauische Fibel und die erste litauische Kirchenliedersammlung). M. Maþvydas benutzte wenigstens 4 Prototypen in Lateinisch, Deutsch und Polnisch sowie die Übersetzungen von seinen Mitarbeitern. Er paßte die alte Tradition des katholischen geistlichen Gesangs in Litauen an die in der Reformationszeit verfaßten Lieder an. Um die Schriftanwendung zu demokratisieren und die Schreibkundigkeit unter den litauischen Bauern zu verbreiten, forderte er sie dazu auf, von den Priestern und Lehrern zu verlangen, daß sie das Litauische unterrichten, oder die Kinder auf ihren Gütern in den Hausschulen selber zu lehren. Die von der litauischen Intelligenz hervorgebrachte neue Erscheinung – das erste Buch – wurde zu der Zeit von keiner Institution des Litauischen Staates und von keinem Mäzen unterstützt. Die meisten Mitautoren des Buches sind in das Herzogtum Preußen gegangen, um dort zu arbeiten: Dort sorgte für die Herausgabe des Buches die Regierung. Die Herausgeber des ersten litauischen Buches schufen die notwendigen Voraussetzungen für den Erhalt eines jeden Volkes: Sie begriffen sehr wohl die Richtungen der Entwicklung der kulturellen Prozesse, die Möglichkeiten der Neuerungen und vermochten es, sie kreativ in das kulturelle System einzugliedern.

Die Rede der   Historikerin Ingë LUKÐAITË
ein 40-Sekunden-Auszug
Über  Ingë Lukðaitë


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