Die Gesänge des Katechismus von M. Maþvydas
im Kontext des europäischen Christentums

Das internationale ökumenische Seminar / Die Woche der Gesänge in Nida

7. bis 22. September 1996

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Vom 7. bis 22. September 1996 fand in Nida das dritte internationale ökumenische Seminar der kirchlichen Musik statt. Es wurde vom Orgelspieler, Kantor, Hymnologen und Komponisten aus Deutschland, Frieder Gutowski, zusammen mit der Vereinigung der Evangelischen Kirchen Deutschlands sowie mit dem Verband der Musiker der litauischen evangelischen Kirchen veranstaltet. Daran haben Chorleiter, Orgelspieler, Choristen der evangelischen Kirchen aus Litauen, aus dem Gebiet Kaliningrad und Choristen aus Deutschland teilgenommen, insgesamt ca. 50 Menschen. Die Leiter (wie auch in früheren Jahren) waren: Frieder Gutowski (Deutschland, das Gemeindesingen), Irina Godow (Deutschland, Leitung der Kinderchöre), Martin Kothaus (Deutschland, Orgelspielen) und Tamara Blaþienë (Litauen, Arbeit mit dem Chor).

Dieses schon das dritte Seminar in Nida wurde dem 450. Jahrestg des ersten litauischen Buches, des "Katechismus von M. Maþvydas, gewidmet. Er hieß: Die Gesänge des "Katechismus" von M. Maþvydas im Kontext der Geschichte des europäischen Christentums.

In "Liuteronø balsas" schreibt man, dass das erste Seminar die Menschen versammelt hat. Es wurde eine große Vorbereitungsarbeit geleistet. Man musste die Geschichte der im "Katechismus" von M. Maþvydas enthaltenen Gesänge sowie der "Christlichen Gesänge" studieren, die Menge der kirchlichen Kompositionen verschiedener Epochen durchsehen, danach nicht nur die charakteristischsten und interessantesten, sondern auch solche auswählen, die in kurzer Zeit mit den Teilnehmern unseres Seminars - zur Hälfte Laienkünstler - eingeübt werden können. Und wir möchten nicht nur die historische Entwicklung der Gesänge zeigen, sondern auch die Interpretation derselben Melodie, desselben Gesangs von verschiedenen Komponisten. Alles das kam während des von Fr. Gutowsk zusammengestellten Konzertprogramms zum Ausdruck. Zuallererst hat er die besondere Form des Konzerts vorgeschlagen, d.h. Konzert-Gottesdienst. Man stützte sich auf die alte Ordnung des Gottesdienstes:

Ingressus
Psalmodie
Lectio – Responsorium
Hymnus
Canticum
Oratio
Conclusio

Ingressus

Über den Heiligen Geist.
Veni creator spiritus

Fr. Gutowski, wie ich schon erwähnt habe, ist ein Fachmann für Hymnologie und Komponist. Er hat für dieses Seminar die Komposition geschaffen. Darin hat er gezeigt, wie sich aus einem Wort "Ateik" ("komm"), d.h. aus 2-4 Lauten der Grigalische Choral "Veni creator" entwickelt und wie in späteren Zeiten dieser Choral in den Gesang "Sventa Dvasia musump ateik" transformiert wurde. Nach dem kurzem Choral von J. S. Bach "Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist" hat diese Komposition gerade als Anfang der Geschichte geklungen. Danach wurden die Werke von A. Dalua, J. Eccardo und T. Blaþienë zu demselben Thema ausgeführt.

Psalmodie

Psalmas 102. Benedic anima mea Domine

Nun lob mein Seel den Herren.
Liaupsink duða mana pana.

Aus uralten Zeiten kam dieser Grigalische Gesang und aus den Zeiten von M. Maþvydas die Komposition von J. Kugelmann. J. Kugelmann hat als erster die Volksmelodie für diesen Psalm adaptiert. Zu seiner Zeit war dieser Psalm in Preußen sehr populär, ihn hatte Herzog Albrecht sehr gern. Nach J. Kugelmann-Buxtehude wurde der Choral für Orgel und die Motette für Chor von J. S. Bach zu demselben Thema ausgeführt.

Noch ein Psalm aus dem "Katechismus" ist der 50. Psalm "Erbarm dich mein" – "Susimilk ant mûsø, Dieve". Und wieder in zwei Varianten: Choral von J. S. Bach und Komposition für Chor von M. Praetorius.

Lectio – Responsorium

Nach den Lesungen Lectio – Responsorium erklang der vielen in Litauen bekannte Psalm "Gyvenimà tas turës" ("Das Leben wird der haben"). Er wurde von Prof. K. Kaveckas entziffert. Dieser einzige für vier Stimmen vorgesehene Gesang ist von M. Maþvydas im Buch "Christliche Gesänge" untergebracht.

Hymnus

Christ, der Tag bist und die Helligkeit. (Katechismus).

Und wieder der Choral von J. S. Bach für Orgel und ein herrliches Duett von J. Schein.

Canticum

Jesus Christus unser Heiland. Jesus Christus sûnus Dieva. Der Gesang aus "Christliche Gesänge" ist von M. Maþvydas als ein für zwei Stimmen bestimmter angegeben. Danach folgte wieder der Choral für Orgel von J. S. Bach zu demselben Thema.

Oratio

Dominica. Vater unser. Tëve mûsø. Neben den deutschen Varianten wurde auch die lateinische Variante "Pater noster" von I. Stravinski ausgeführt.

Die gesamte Veranstaltung wurde vom 1. Teil der Sonate für Orgel "Vater unser im Himmelreich" von F. Mendelsson gekrönt.

Conclusio

Alle Ausführer und alle Zuhörer haben zusammen "Tëve mûsø" ("Vater unser") aus dem "Katechismus" von M. Maþvydas gesungen.

Dieses ganze Programm wurde in Vilnius in der Reformierten (am 20. September) und in der Lutherischen (am 22. September) Kirche aufgeführt sowie in der Arkiathedrale (am 21. September).

Neben dem erwähnten Organisten M. Kothaus haben an der Veranstaltung der Solist D. Sadauskas und die von R. Vitkauskas geleitete Streichergruppe teilgenommen.

Tamara BLAÞIENË


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